Statements

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«'Religion' ist nicht mehr = Christentum oder = Judentum; viele Menschen in unserer westlich-industrialisierten Lebenswelt vertreten heute den Standpunkt, ihre eigene Religion zu haben. Versteht man Religion als re-ligare („zusammenbinden“), dann muss sie einerseits dort anzutreffen sein, wo Mechanismen wirken, die Menschen in sich selbst zusammenbinden (Identität). Andererseits sind diese Mechanismen dafür verantwortlich, Menschen untereinander zu verbinden (in Beziehungen und Gruppen).
Im Studiengang BA und MA „Religious Studies“ sind mir grundlegende Kenntnisse der grossen Religionstraditionen (Judentum, Chri-stentum, Islam, Hindureligionen, Buddhismus) vermittelt worden. Zudem habe ich Anregungen erhalten, Religion als eine weit zu fassende Grösse zu sehen. Eine Grösse nämlich, die gerade in einer Zeit weltweiter Vernetzung Individualisierungsprozesse mitmacht und nicht in begrenzenden Institutionen eingesperrt bleibt. Diese facettenreiche Sicht auf „Religion“ wird mir in meinem Berufsleben als Gymnasiallehrer sicherlich eine grosse Hilfe sein.»

Jonas Widmer (MA Religious Studies)


«Die Globalisierung hat auch vor den Religionen nicht Halt gemacht. Sie sind sich näher gerückt und durchdringen sich, nicht zuletzt infolge weltweiter Migrationsprozesse. Ihre Sinnversprechen, aber auch ihre Konfliktpotenziale sind im Westen einer Welt nahe gekommen, die nicht mehr verbindlich in einer religiösen Tradition wurzelt und dennoch hartnäckig und manchmal kritiklos nach Orientierung sucht. Gründe genug, die Religionen genauer kennen zu lernen, sich mit ihnen systematisch zu beschäftigen und überlegt mit den Ansprüchen umgehen zu lernen, die sie an uns herantragen. Der Studiengang „Religious Studies / Interreligiöse Studien“ bietet die Chance, sich Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die für die verantwortliche Gestaltung einer sehr pluralistisch gewordenen Gesellschaft nötig sind.»

Prof. Dr. Benz H.R. Schär, ehemaliger Leiter der Fachstelle Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und emeritierter Dozent an der Theologischen Fakultät der Universität Bern


«Der Talmud beschreibt, dass jeder Regentropfen seine eigene Laufbahn hat, die mit keiner anderen identisch ist. Diese Tatsache nimmt der Talmud zum Anlass, um zu beschreiben, dass jedes Individuum eine ganz spezifische, individuelle Laufbahn haben darf und soll. Das gilt, denke ich, auch für alle Religionen. Die Unterschiede sind für uns Juden eine Selbstverständlichkeit und sie sind sogar förderungswürdig. Der Talmud stellt mit seinen Diskussionen ein Sammelbecken der Vielfalt dar. Der Interreligiöse Dialog ist eine gute Möglichkeit für friedlichen Austausch. Insbesondere im Bereich der Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Die Jüdische Gemeinde ist offen für interreligiöse Diskussionen. Im Vordergrund unserer Bemühungen steht die Absicht Berührungsängste und Vorurteile abzubauen. Denn am gegenseitigen Kennen lernen und am friedlichen Miteinander der Religionen liegt uns sehr viel.»

David Polnauer, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Bern